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Wer bremst die S-Bahn
Werner J. Lorenz
weiter Vor drei Jahren wurde in der sogenannten "Diedorfer Erklärung" auch von der SPD die Verwirklichung einer S-Bahn für die Region Augsburg gefordert. Auffällig war damals bereits, daß sich die CSU und auch Landrat Vogele beim Thema S-Bahn merklich zurückhielten. Von der CSU hat man seither keine klaren Worte, geschweige denn Bekenntnisse zu dem zukunftsträchtigen Nahverkehrskonzept vernommen.

Dies wurde wieder deutlich bei einer im November 1999 stattgefundenen Podiumsdiskussion der Ortsgruppe des Bundes Naturschutz in Diedorf. Statt des eingeladenen Landrats Vogele mußte der Marktgemeinderat der CSU, Martin Sailer, in die Diskussionsrunde. Aber der Standpunkt der CSU wurde auch dadurch nicht klarer. Herr Sailer konnte zumeist "nur für sich" sprechen. Eindeutig hörten sich dagegen die Stellungnahmen des Diedorfer Bürgermeisters Völk und des Landtagsabgeordneten der SPD, Harald Güller an.

Wer die verkehrspolitische Entwicklung im Großraum Augsburg der letzten Jahre verfolgt hat, dem wird aufgefallen sein, daß bereits Anfang der 70iger Jahre eine lebhafte Diskussion über ein S-Bahn-Netz in Verbindung mit der Stadtbahn (Straßenbahn, Lokalbahn) im Gange war.

Die Kreis-CSU hat das Thema S-Bahn aber förmlich ausgehungert. Die politisch Verantwortlichen haben unermüdlich darauf verwiesen, daß mit der Gründung des AVV (Augsburger Verkehrs Verbund) eine verkehrspolitische Großtat erzielt wurde. Angesichts der Entwicklung in anderen Regionen Bayerns kann man nur milde darüber lächeln. Diese Zusammenführung der Verkehrssysteme war eine längst überfällige und selbstverständliche Aktion.

Die Schwäche der schwäbischen CSU wird auch daran deutlich, daß sie es nicht vermochte, dem Großraum Augsburg einen ähnlichen Stellenwert wie München oder Nürnberg innerhalb Bayerns einzuräumen. Dort gibt es nämlich seit langem hochentwickelte Nahverkehrssysteme. Dagegen sind die Haushaltsmittel für Schwaben reinste Almosen.

Die Aktivitäten der Stadt Augsburg konzentrieren sich im Augenblick auf den viergleisigen Ausbau der Bahnstrecke nach München und die Taktzeiten im Regionalverkehr der Bahn. In der Augsburger Allgemeinen vom 7.12.1999 war zu lesen, daß sich OB Menacher "verwundert über die lauter werdenden Rufe nach einer S-Bahn" zeigt. Es verwundert nicht, denn Augsburg glaubt wohl seine Hausaufgaben in Puncto Nahverkehr bereits gemacht zu haben.

Der Landkreis Augsburg ist gefordert, für die enorme Zahl von Pendlern nach Augsburg bzw. München optimale Verkehrsverbindungen zu schaffen, die über das hinausgehen, was der AVV derzeit bewerkstelligen kann. Wie gesagt, Regionen in der selben Größenordnung wie z.B. Karlsruhe haben vorbildliche Bahn-Nahverkehrssysteme geschaffen. Unsere verantwortlichen Politiker sollten daher einmal über den Tellerrand hinausblicken.

Die Forderungen nach einem S-Bahn-Netz für den Raum Augsburg liegen seit langem auf dem Tisch. Statt da und dort am bestehenden AVV-System zu flicken, sollte sich der Landkreis mit dem weitergehenden Antrag, dem S-Bahn-Netz für unsere Region, beschäftigten.

Werner J. Lorenz

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